Schlagzeilenbörse

Auf der Schlagzeilenbörse geht es gerade drunter und drüber. Rote Zahlen werden mit wasserfestem Edding geschrieben und etablierte Headlines melden Kurzarbeit an. Verdrängt von einem Start-Up, welches erst im Dezember vergangenen Jahres gegründet wurde. Ein früher Vogel, der den Wurm fangen wollte und eine Schlange mit ins Nest brachte. Ein wahrhaftig bizarres Schauspiel in der sonst so stolzen Höhle der Löwen. Das Start-Up nennt sich Corona. Die einen nennen es Virus, eine Pandemie, andere Weltwirtschaftskrise. Auch die eigentliche Gründung ist für viele noch ein Fragezeichen. Es scheint ein chinesisches Unternehmen zu sein, von einem CEO, irgendeinem Verantwortlichen, fehlt bisher jede Spur. Nur auf der Überholspur befindet es sich mit einem bisher ungesehenen exponentiellen Anstieg an kalter Kundenakquisition. Während so ziemlich der Rest der Welt im Kreisverkehr Ehrenrunden dreht. 

Vor noch einem Jahrzehnt sagten die großen Denker unserer Zeit voraus, wir würden Kriege um Wasser führen, denn es würde den Wert von Gold übersteigen. Jetzt sieht man im Bilderbuch der Menschheit Facebook beängstigende Aufnahmen von Raufereien um die letzte Rolle Klopapier in Supermärkten. Wie konnte es nur dazu kommen?

Die Bundesliga, von allem was den Menschen hierzulande noch zusammenhält, stellte ihre Spieltage auf Eis. Die Stadien bleiben leer, die Mägen werden anstatt mit Schnitzelbrötchen und Bier aus Plastikbechern mit Fertigpasta und Bier aus Dosen gefüllt. Aber was macht bloß Klaus mit seinem Würstchenstand? Peter, der sonst immer im Außendienst war, wurde zum Home Office verdonnert und kann endlich mal ausgiebig für seine vier Kinder und seine Frau da sein, denn auch die Schulen sind landesweit geschlossen. Nur Peter’s langjährige Hotelaffären müssen leider erstmal die Quarantäne abwarten.

In Zeiten wie diesen erkennen wir, wie mit Schwarzlicht beim Untersuchen des Couchbezuges, die Flecken auf unserer weißen Weste, die Lücken in unserem System. Solidarität wird nur von denen gepredigt, die es sich leisten können, ansonsten steht man sich selbst am nächsten. Dicht dahinter die schnaufende Ulrike, die all das als bloße Panikmache abtut und Jürgen, der sich noch schnell für seine Coronaferien eindeckt.

Ignoranz ist heute das tödlichste Virus von allen, Mitdenken das Gegenmittel. Also wascht eure Hände vor der Packung Chips und nach dem Masturbieren und hustet mir an der Rewe Kasse nicht in den Rücken. Danke.

Verfasst am 17.03.2020

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